Deutschland 1974

01. Jan. Einführung des Autokennzeichens "DDR" anstatt "D" (in der DDR, natürlich).
12. Feb. 13. Februar: Die Sowjetunion erkennt dem Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Alexander I. Solschenizyn die Staatsbürgerschaft ab und weist ihn aus. Die ersten Tage nach der Ausweisung verbringt Solschenizyn bei Heinrich Böll.
13. Feb. Die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst werden um 11% erhöht.
14. März Der stellvertretende Außenminister der DDR, Kurt Nier, und Staatssekretär Günter Gaus unterzeichnen in Bonn das Protokoll über die Errichtung "Ständiger Vertretungen".
15. März Neues Bundespersonalvertretungsgesetz stärkt die Unabhängigkeit der Personalräte und die Position der Gewerkschaften.
Bundesimmissonsschutzgesetz (Kernstück der Umweltschutzgesetzgebung).
22. März Die Volljährigkeit wird von 21 auf 18 Jahre herabgesetzt; die Ehemündigkeit der Frauen von 16 auf 18 Jahre heraufgesetzt.
04. April Schaffung einer Monopolkommission zur Begutachtung von Unternehmenskonzentrationen.
25. April Der persönliche Referent von Bundeskanzler Willy Brandt, Günter Guillaume, wird unter dem Verdacht der Spionage für die DDR festgenommen.
26. April Der Bundestag beschließt mit 247 gegen 233 Stimmen ein Gesetz zur Reform des Strafrechtsparagraphen 218 (Fristenlösung).
30. April Maßnahmen zur Durchführung des sozialpolitischen Programms des VII. Parteitages der SED (u.a. Mindesturlaub von 15 auf 18 Tage erhöht).
06. Mai Bundeskanzler Willy Brandt erklärt im Zusammenhang mit der Spionageaffäre Guillaume (siehe 25. April) seinen Rücktritt.
09. Mai Auf Voschlag Willy Brandts nominiert die SPD den amtierenden Finanzminister Helmut Schmidt zum Kandidaten für die Wahl des neuen Bundeskanzlers am 16.05.1974.
15. Mai Walter Scheel wird als Nachfolger Gustav Heinemanns von der Bundesversammlung zum Bundespräsidenten gewählt.
16. Mai Der Deutsche Bundestag wählt Helmut Schmidt zum Bundeskanzler. Die sozialliberale Koalition wird fortgesetzt.

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19. Juni Der Bundestag verabschiedet einstimmig ein Gesetz über die Errichtung eines Umweltbundesamtes in Westberlin. Dagegen protestiert am 20.06. das DDR-Außenministerium.
04. Juli Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Erhard Eppler, tritt wegen Kürzung der Entwicklungshilfe zurück. Nachfolger wird Egon Bahr.
07. Juli Die Bundesrepublik Deutschland wird durch einen 2:1-Sieg gegen die Niederlande in München zum 2. Mal Fußballweltmeister.
17. Juli Der Iran erwirbt 25,04% der Krupp Hüttenwerke.
21. Aug. Die Bundesrepublik wird Mitglied der Ständigen Abrüstungskonferenz der UNO in Genf.
04. Sept. Die USA nehmen diplomatische Beziehungen zur DDR auf.
05. Sept. Erdgasliefervertrag zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion sieht sowjetische Lieferungen bis zum Jahr 2000 vor.
14. Sept. Die Staatsbank der DDR beginnt mit der Herausgabe neuer Banknoten mit der Währungsbezeichnung "Mark der DDR".
27. Sept. Die Volkskammer beschließt Änderungen in der DDR-Verfassung. Der Begriff "deutsche Nation" wird getilgt.
01. Okt. Hans-Dietrich Genscher wird auf dem Bundesparteitag in Hamburg als Nachfolger Walter Scheels zum neuen FDP-Vorsitzenden gewählt.
26. Okt. Der im Vorjahr verdoppelte Mindestumtausch für Besucher der DDR wird auf 6,50 DM bzw. 13 DM gesenkt.
09. Nov. Holger Meins, ein Mitglied der Baader/Meinhof-Gruppe, stirbt an den Folgen eines Hungerstreiks. Protestdemonstrationen und Anschläge in mehreren Städten.
10. Nov. Der Präsident des Berliner Kammergerichts Günter von Drenkmann, wird von Terroristen ermordet.
29. Nov. Horst Mahler und Ulrike Meinhof werden in Berlin zu 14 beziehungsweise acht Jahren Gefängnis verurteilt.
04. Dez. Jean-Paul Satre besucht Andreas Baader im Stammheimer Gefängnis und spricht sich gegen die Haftbedingungen aus.
09. Dez. Die DDR gibt offiziell die Befreiung der Rentner vom verbindlichen Mindestumtausch bekannt. Die Regelung tritt am 20.12. in Kraft.
09. Dez. /10 Dezember: Konferenz der Staats- bzw. Regierungschefs der EG in Paris. Sie beschließen, dreimal jährlich als Rat der Gemeinschaft und im Rahmen der politischen Zusammenarbeit zusammenzutreten (Gründung des "Europäischen Rates").
11. Dez. Abkommen über den Transport Westberliner Mülls in die DDR.
26. Dez. In Hamburg wird der neue Elbtunnel eröffnet.
31. Dez. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik betrug im Jahresdurchschnitt 2,6%.

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Quelle: "Deutschland seit 1945" Wolfgang Benz, dtv 1999
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