Deutschland 1982

01. Jan. Zum Jahresanfang treten Gesetzesänderungen in Kraft, die den Abbau von Sozialleistungen betreffen.
27. Jan. Bundesinnenminister Baum verbietet die neonazistische "Volkssoziale Bewegung Deutschlands" wegen zunehmender Militanz und ihrer Wesensverwandtschaft zur NSDAP.
30. Jan. Bei neuerlichen Demonstrationen gegen die Startbahn West in Frankfurt werden ca. 140 Personen verletzt und 90 Demonstranten fesgenommen. Am 15. Januar lehnte der hessische Staatsgerichtshof ein Volksbegehren gegen den Bau der Startbahn West ab.
04. Feb. Bundestagsdebatte zur Ausländerpolitik: Die Regierungsparteien wollen die Integration, die Opposition dagegen die Rückkehr von Ausländern in ihre Heimat fördern.
05. Feb. Bundeskanzler Schmidt stellt im Bundestag die Vertrauensfrage, um sich Klarheit über den weiteren politischen Kurs zu verschaffen. Alle SPD- und FDP-Abgeordneten sprechen ihm das Vertrauen aus.
08. Feb. Das Hamburger Magazin "Der Spiegel" erhebt Vorwürfe gegen die Spitze des gewerkschaftseigenen Wohnungsbaukonzerns "Neue Heimat": Albert Vietor und zwei Vorstandkollegen sollen sich unter Mißachtung ihrer Stellung persönlich bereichert haben. Sie werden daraufhin fristlos entlassen.
14. Feb. Friedensforum von 5000 Anhängern der Friedensbewegung in der Kreuzkirche in Dresden.
24. Feb. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt in der Parteispendenaffäre gegen Spitzenpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien sowie gegen Manager des Flick-Konzerns.
05. März Der Bundesrat beschließt eine Änderung des atomrechtlichen Verfahrens, um die Genehmigungsprozedur für Kernenergieanlagen abzukürzen und die Bürgerbeteilung bei Veränderungen an Kernkraftwerken zu präzisieren.
20. März Die Abgeordenten Manfred Coppik und Kalr-Heinz Hansen, bis zu ihrem Ausschluß der SPD zugehörig, gründen die Partei "Demokratische Sozialisten".
29. März Die Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung stellt mit der Begründung, daß es an Geld fehle, ihre Arbeit ein.
31. März Die Bundesregierung erweitert die "Zumutbarkeitsregelung" für Arbeitslose.
19. April Bis 23. April: In München fordert der SPD-Parteitag eine sozialdemokratische Wirtschaftspolitik. Gleichzeitig Kritik am Koalitionspartner FDP.
28. April Im Zuge der Bonner Kabinettsumbildung werden vier SPD-Minister neu ernannt: Anke Fuchs( Gesundheit), Manfred Lahnstein (Finanzen), Heinz Westphal (Arbeit) und Hans Matthöfer (Post).

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19. Mai Als Nachfoler von Heinz Oskar Vetter wird Ernst Breit neuer Vorsitzender des DGB.
24. Mai Hans-Otto Bräutigam wird neuer Ständiger Vertreter Bonns in der DDR und löst Klaus Bölling ab, der in sein Amt als Sprecher der Bundesregierung zurückkehrt.
31. Mai Semra Ertan Bilir, eine Türkin, verbrennt sich in Hamburg aus Prostest gegen die Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik. 
10. Juni NATO-Gipfeltreffen in Bonn. Friedensdemonstration mit 400000 bis 500000 Teilnehmern in Bonn.
17. Juni Koalitionsaussagen der hessischen FDP zugunsten der CDU für die Landtagswahlen in Hessen.
14. Juli Das Bundeskabinett beschließt, durch finanzielle Anreize Ausländern die Rückkehr in die Heimat zu erleichtern.
09. Aug. Wegen Zahlungsunfähigkeit beantragt in Frankfurt der zweitgrößte deutsche Elektrokonzern, AEG-Telefunken, das gerichtliche Vergleichsverfahren.
09. Sept. Bundeskanzler Schmidt verlangt im Deutschen Bundestag in seinem Bericht zur Lage der Nation von den Freien Demokraten ein eindeutiges Bekenntnis zur Koalition.
17. Sept. Die vier Minister der FDP, Hans-Dietrich Genscher. Gerhart Baum. Otto Graf Lambsdroff und Josef Ertl, treten aus dem Kabinett Schmidt aus. Bundeskanzler Schmidt bildet ein SPD-Minderheitskabinett und schlägt vorgezogene Neuwahlen vor.
20. Sept. CDU/CSU und FDP nehmen Koalitionsgespräche auf und einigen sich darauf, Bundeskanzler Schmidt am 01.10.1982 durch ein konstruktives Mißtrauensvotum zu stürzen,
25. Sept. In Norderstedt üben linksliberale FDP-Mitglieder scharfe Kritik am Entschluß ihrer Parteiführung, ohne Wählermandat eine Koaltition mit der CDU/CSU einzugehen. FDP-Generalsekretär Günter Verheugen tritt am 29.09. zurück.
28. Sept. Die Bundesrepublik und die DDR schließen ein Abkommen über Maßnahmen zum Gewässerschutz in Berliner Flüssen und Seen.
01. Okt. Der Bundestag wählt durch ein konstruktives Mißtrauensvotum Helmut Kohl (CDU) zum 6. Bundeskanzler.
04. Okt. Alfred Dregger wird Nachfolger Helmut Kohls als Franktionsvorsitzender.
13. Okt. Bundeskanzler Kohl gibt seine Regierungserklärung ab. Darin bekennt er sich zum NATO-Nachrüstungsbeschluß und zur Fortführung guter Beziehungen zur DDR bei entsprechenden Gegenleistungen.
26. Okt. Helmut Schmidt verzichtet aus Gesundheitsgründen auf eine weitere Kanzlerkandidatur.
28. Okt. Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg erklärt den Bebauungsplan für das Atommüllzwischenlager bei Gorleben für nichtig.
03. Nov. Das Bundeskabinett beschließt, die Ausbildungsförderung für Studenten künftig nur nich als Darlehen zu gewähren.
05. Nov. Bis 07. November: Auf dem FPD-Parteitag in Berlin setzt sich der FDP-Vorsitzende Genscher gegen starke innerparteiliche Kritik durch. Prominente Mitglieder treten aus.
17. Dez. Durch eine Vertrauensfrage im Bundestag erreicht Bundeskanzler Kohl die Auflösung des Bundestages. Der Weg zu Neuwahlen am 06. März 1983 ist frei.
31. Dez. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik betrug im Jahresdurchschnitt 7,5%.

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Quelle: "Deutschland seit 1945" Wolfgang Benz, dtv 1999

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