Deutschland 1986

1. Jan. Zum Jahresbeginn treten eine Reihe von Gesetzesänderungen in Kraft: Das Wohngeld wird erhöht, erstmals wird das neue geschaffene Kindererziehungsgeld gewährt, beim Arbeitslosengeld treten Verbesserungen vor allem für ältere Arbeitnehmer ein.
07. Jan. Mehrere tausend Polizisten räumen das Hüttendorf, das Gegner der Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf im Taxöldner Forst errichtet haben.
14. Jan. Das Bundesverfassungsgericht erklärt den Ausschluß der Grünen von den Beratungen der Geheimdienstetats im Deutschen Bundestag für verfassungskonform.
16. Jan. Anträge der SPD und der Grünen, den Umweltschutz als Staatsziel ins Grundgesetz aufzunehmen, scheitern im Bundestag an der Haltung der CDU/CSU.
13. Feb. Das Bundeskartellamt genehmigt die Übernahme von AEG durch den Daimler-Konzern mit einigen Verkaufsauflagen.
20. Feb Die Koblenzer Staatsanwaltschaft nimmt aufgrund einer Anzeige des Bundestagsabgeordneten Otto Schily (Die Grünen) ein Ermittlungsverfahren gegen Bundeskanzler Kohl wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage in der Parteispendenaffäre auf (am 21.05.1986 wird das Verfahren eingestellt).
25. Feb. SPD-Fraktionschef Hans-Jochen Vogel weist die Forderung des linken Parteiflügels nach einer Streichung des Wiedervereinigungsgebotes aus dem Grundgesetz zurück.
01. März Der schwedische Ministerpräsident Olof Palme wird in Stpckholm von einem Unbekannten ermordet. Zur Tat bekennen sich zwei Organisationen aus der deutschen Terrorszene.
05. April Ein Bombenanschlag auf die Berliner Diskothek "La Belle", in der auch US-Soldaten verkehren, kostet zwei Menschenleben und ca. 200 Verletzte. Die amerikanische Regierung erklärt, sie habe Beweise, daß der Anschlag von einer libyschen Terrororganisation verübt worden sei.
17. April Bis 21. April: XI. Parteitag der SED: Verabschiedung des Fünfjahresplans 1986 - 1990; Betnung der "Geborgenheit" für die Bürger der DDR.
26. April In einem Kernkraftwerk in Tschernobyl nördlich von Kiew schmilzt der Reaktorkern und verursacht die bisher größte Katastrophe in der Geschichte der Kernenergie, die zunächst 15 Menschenleben fordert. Auch in der Bundesrepublik werden erhöhte Strahlungswerte gemessen.
06. Mai Nach zwölfjährigen Verhandlungen wird ein Kulturabkommen zwischen beiden deutschen Staaten unterzeichnet.
17. Mai Bis 19. Mai: Mehr als 300 Menschen - darunter 157 Polizisten - werden bei den bislang heftigsten Ausschreitungen am Bauzaun der atomaren Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf verletzt.

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03. Juni Bundeskanzler Kohl gibt die Einrichtung eines Umweltministeriums bekannt. Erster Bundesumweltminister wird Walter Wallmann.
28. Juni Die bayerische Staatsregierung verhängt für 31 Österreicher, die an einer Demonstration gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf teilnehmen wollen, ein Einreiseverbot.
01. Juli Eine Koalitionsrunde unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers einigt sich auf eine Stufenlösung bei der Einbeziehung der sogenannten Trümmerfrauen in die Regelung über die Anrechnung von Erziehungszeiten für die Rente.
09. Juli Der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts und sein Fahrer Eckhard Groppler werden von einem ferngezündeten Sprengkörper in Straßlach bei München getötet. Zu dem Mordanschlag bekennt sich ein Kommando "Mara Cagol" der RAF.
08. Sept. Mehr als 1 Million DM Sachschaden entsteht bei einem Anschlag auf das Bundesamt für Verfassungsschutz in Köln.
18. Sept. Die DDR verschärft die Einreisebestimmungen und dämmt damit die Flut der Asylsuchenden, die über Ostberlin in die Bundesrepublik einreisen, ein.
07. Okt. Trotz zahlreicher Proteste wird Brokdorf an der Unterelbe als erstes deutsches Kernkraftwerk nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Betrieb genommen.
10. Okt. In Bonn wird Gerold von Braunmühl, Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes, auf offener Straße von RAF-Terroristen erschossen.
15. Okt. Die Deutschen Ernst Rusks und Gerd Binning erhalten zusammen mit dem Schweizer Heinrich Rohrer den Nobelpreis für Physik.
13. Nov. Der Bundestag verabschiedet ein neues Asylrecht, nach dem rechtskröftig abgewiesene Asylbewerber schneller in ihre Heimat zurückgeschickt werden können, während Bewerber ohne berechtigte Gründe weniger leicht in die Bundesrepublik gelangen können.
22. Dez. Der Bundesminister für wirtschafltiche Zusammenarbeit, Jürgen Warnke, kündigt eine Steigerung der bundesdeutschen Entwicklungshilfe auf knapp 7 Milliarden DM an.
31. Dez. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik betrug im Jahresdurchschnitt 9,0%.

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Quelle: "Deutschland seit 1945" Wolfgang Benz, dtv 1999

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