Deutschland 1987

04. Jan. Auf dem Deutschlandtreffen der CDU in Dortmund bezeichnet Helmut Kohl die DDR als Regime, das 2000 "politische Gefangene in Gefängnissen und Konzentrationslagern hält". Wegen des Begriffs "Konzentrationslager" legt der Ständige Vertreter der DDR in Bonn zwei Tage später offiziellen Protest ein.
25. Jan. Bei der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag erahlten CDU/CSU 44,3% der Stimmen, SPD 37%, FDP 9,1% und die Grünen 8,3%.
09. Feb. In Hessen zerbricht die rot-grüne Koalition an der Diskussion über das umstrittene Genehmigungsverfahren für die Plutoniumfabrik Alkem (Hanau). Einen Tag später erklärt Ministerpräsident Börner seinen Rücktritt.
25. Feb. Die bayerische Staatsregierung verabschiedet einen Maßnahmenkatalog zur Bekämpfung von Aids, der unter anderem Aids-Pflichttests für bestimmte Personengruppen vorsieht.
11. März Helmut Kohl wird als Bundeskanzler in seinem Amt für weitere vier Jahre bestätigt.
12. März Der Europäische Gerichtshof erklärt das 471 Jahre alte deutsche Brau-Reinheitsgebot im Rahmen der EG für unzulässig.
23. März Nach innerparteilichen Streitigkeiten über den Vorschlag Willy Brandts, die parteilose Griechin Margarita Mathiopoulos zur neuen SPD-SPrecherin zu machen, tritt dieser als Vorsitzender zurück.
25. Mai Stichtag für die Volkszählung. Die Volkszählung verläuft nach offiziellen Angaben trotz vereinzelter Übergriffe auf Zähler und Boykottaufrufe von Volkszählgegnern zufriedenstellend.
28. Mai Der bundesdeutsche Sportpilot Mathias Rust landet auf dem Roten Platz in Moskau. Zwei Tage nach der Landung wird Verteidigungsminister Sergej Sokolow pensioniert und Luftabwehrchef Alexander Koldunow abgesetzt. Am 04.09. verurteilt der Oberste Gerichtshof der UdSSR Rust zu vier Jahren allgemeinem Arbeitslager.
09. Juni Trotz großen Polizeiaufgebots fordern rund 3000 Menschen in Ostberlin Unter den Linden in Sprechchören den Abriß der Mauer und Freiheit; auch "Gorbatschow"-Rufe werden laut.
14. Juni Auf einem Sonderparteitag der SPD wird Willy Brandt zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit ernannt, ein Amt, das eigens für ihn geschaffen wurde. Neuer Parteivorsitzender wird Hans-Jochen Vogel.

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17. Juli Aus Anlaß des 38. Jahrestages ihrer Gründung schafft die DDR die Todesstrafe ab.
17. Aug. Rudolf Heß, der ehemalige Stellvertreter Hitlers und letzte Häftling im Kriegsverbrechergefängnis Spandau, stirbt im Alter von 93 Jahren im britischen Militärhospital.
27. Aug. SED und SPD veröffentlichen ein gemeinsames Papier, in dem zum ersten Mal versucht wird, die ideologischen Gegensätze zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten herauszuarbeiten und gleichzeitig ein Konzept für eine langfristige Zusammearbeit zu entwerfen.
07. Sept. Bis 11.09.: Zum ersten Mal in der Geschichte beider deutscher Staaten besucht mit Erich Honecker ein Staats- und Parteichef der DDR die Bundesrepublik. Es werden Abkommen zum Umwelt- und Strahlenschutz sowie über die Zusammenarbeit in Wissenschaft und Technik vereinbart.
12. Sept. Dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Braschel (CDU) wird vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" vorgrworfen, den SPD-Spitzenkandidaten für die bevorstehenden Landtagswahlen, Björn Engholm, bespitzeln zu lassen.
18. Sept. Mit seinem persönlichen Ehrenwort und eidesstattlichen Erklärungen weist Uwe Braschel öffentlich alle Vorwürfe zurück.
25. Sept. Auf massiven Druck der FPD und der Öffentlichkeit kündigt Barschel seinen Rücktritt an.
11. Okt. Uwe Barschel wird in einem Genfer Hotel tot aufgefunden. Der Obduktionsbericht ergibt, daß Barschel an einer Medikamentenvergiftung gestorben ist. In Kiel wir ein Untersuchungsausschuß eingerichtet, der sich mit dem gesamten Fall Barschel auseinandersetzt. Die Aussagen Barschels werden schwer erschüttert.
02. Nov. Bei einer nicht genehmigten Demonstration am Bauzaun der Startbahn West des Frankfurter Flughafens werden zwei Polizisten erschossen und neun durch Schüsse verletzt.
19. Nov. Ende des Konflikts um die Hafenstraße in Hamburg: Nach Beseitigung aller Barrikaden in und außerhalb der besetzten Häuser verzichtet der Hamburger Senat auf eine polizeiliche Räumung und unterschreibt den Pachtvertrag mit dem Verein Hafenstraße.
31. Dez. Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik betrug im Jahresdurchschnitt 8,9%.

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Quelle: "Deutschland seit 1945" Wolfgang Benz, dtv 1999

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