Deutschland 1989

01. Jan. Die Gesetze zur Gesundheitsreform und zur Quellensteuer, die in den vergangenen Moanten für heftige Diskussionen sorgten, treten in Kraft.
18. Jan. Mehrere tauend Studenten demonstrieren in verschiedenen Städten der Bundesrepublik gegen die schlechten Studienbedingungen und die Wohnungsnot. Bildungsminister Jürgen Möllemann kündigt Aufstockung der Finanzmittel an.
01. Feb. Bis 12.Mai: 28 Gefangene der Rote Armee Fraktion (RAF) treten in der gesamten Bundesrepublik in den Hungerstreik, um die Zusammenlegung aller RAF-Gefangenen zu erzwingen. Die letzten Gefangenen nehmen erst am 12. Mai wieder Nahrung zu sich.
14. Feb. Als erstes Bundesland beschließt Schleswig-Holstein das kommunale Wahlrecht für Ausländer. Einen Tag später schließt sich Hamburg an. Dagegen will Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann beim Bundesverfassungsgericht Klage einreichen.
01. März Bis 10. März: Arbeitsniederlegungen in der Druckindustrie; viele Zeitungen erscheinen nur mit Notausgaben.
11. März Bis 13. März: Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann und Bundesbauminister Oscar Schneider sagen ihren geplanten Besuch bei der Leipziger Frühjahrsmesse aus Protest gegen die von DDR-Grenzsoldaten zwei Tage zuvor auf flüchtende Bürger abgegebenen Schüsse ab.
In Leipzig demonstrieren 600 Ausreisewillige.
14. April Der SPD-Vorstand beschließt die endgültige Einstellung des Parteiblattes "Vorwärts".
21. April Der Bundestag verabschiedet gegen die Stimmen der Opposition ein schärferes Demonstrationsrecht und die befristete Einführung einer Kronzeugenregelung.
23. Mai Bundespräsident Richard von Weizsäcker wird mit 86,2% der Stimmen wieder gewählt.
12. Juni Bis 15. Juni: Michail Gorbatschow wird bei seinem Staatsbesuch in Bonn von der Bevölkerung mit großem Jubel empfangen. Zum Abschluß seines Besuches erklärt Gorbatschow auf einer Pressekonferenz: "Die (Berliner) Mauer kann wieder verschwinden, wenn die Voraussetzungen entfallen, die sie hervorgebracht haben."
16. Juni Der Bundestag hebt das zu Jahresbeginn in Kraft getretene Gesetz zur Quellensteuer zum 30.06. wieder auf.
07. Juli Michail Gorbatschow gesteht in Bukarest, auf der ersten Ostblock-Gipfelkonferenz seit 1968, jedem sozialistischen Staat seine eigene Entwicklung zu.
09. Juli Deutscher Doppelerfolg in Wimbledon: Steffi Graf und Boris Becker gewinnen das bedeutendste Tennisturnier der Welt.
12. Juli Die "Grauen Panther" gründen eine eigene Partei "Die Grauen". Vorsitzende wird Trude Unruh.

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08. Aug. Die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ostberlin wird für den Besucherverkehr geschlossen, da sich 130 DDR-Bürger dort aufhalten, um ihre Ausreise zu erzwingen.
13. Aug. Auch die Bonner Botschaft in Budapest muß wegen Überfüllung schließen. Von dort wollen rund 180 DDR-Bürger ausreisen. Imer mehr Ostdeutsche nutzen die "grüne Grenze" zwischen Österreich und Ungarn zur Flucht.
22. Aug. Die Botschaft der Bundesrepublik in Prag wird wegen Überfüllung geschlossen. 140 DDR-Bürger wollen von dort ausreisen. Die Zahl der Flüchtlinge, die über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik kommen, steigt ständig an.
24. Aug. 108 DDR-Bürger, die sich in der deutschen Botschaft in Budapest aufhielten, erhalten Ausreiseerlaubnis.
30. Aug. In Bayern wird mit der Errichtung von Notaufnahmelagern für DDR-Flüchtlinge begonnen.
02. Sept. Mehr als 3500 Ausreisewillige in den ungarischen Auffanglagern. In einem Brief an Erich Honecker fordert die Konferenz der evangelischen Kirchenleitungen in der DDR "erneut und dringlich" zu gesellschaftlichen Reformen in der DDR auf.
08. Sept. Die ausreisewilligen DDR-Bürger, die in die Ständige Vertretung Bonns in Ostberlin geflüchtet waren, kehren nach Zusicherung von Straffreiheit und wohlwollender Prüfung ihrer Ausreiseanträge in ihre Wohnorte zurück.
10. Sept. 11. September: Ungarn genehmigt die Ausreise aller DDR-Flüchtlinge in den Westen. Dafür war die Außerkraftsetzung eines 1969 mit der DDR geschlossenen Reiseabkommens notwendig. Tausende von DDR-Bürgern treffen in Bayern ein.
Bei Ostberlin gründet sich das "Neue Forum".
21. Sept. Das DDR-Innenministerium lehnt die Zulassung des "Neuen Forum" als politische Vereinigung ab und erklärt die Gruppe für staatsfeindlich.
25. Sept. Etwa 5000 Menschen protestieren in Leipzig für Reformen und gegen das Verbot des "Neuen Forum".
30. Sept. Am Abend verkündet Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag, daß alle DDR-Flüchtlinge, die sich in den deutschen Botschaften in Prag und Warschau befinden, ausreisen dürfen.
Die ersten Sonderzüge der DDR-Reichsbahn bringen die Flüchtlinge in die Bundesrepublik.

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01. Okt. Die erste Massenausreise beginnt. Nach der als "einmalig" deklarierten Regelung treffen aus Prag rund 6000 DDR-Flüchtlinge in der Bundesrepublik ein, aus Warschau etwa 800.
01. Okt. Bis 03. Oktober: Vor der Botschaft in Prag versammeln sich erneut 7600 Menschen, obwohl die tschechoslowakische Polizei dies zu verhindern sucht. Am 03.10. gewährt Ostberlin auch ihnen die Ausreise.
02. Okt. Mit Gewalt beendet die Volkspolizei in Leipzig die mit rund 20000 Teilnehmern bisher größte Demonstration für Demokratie in der DDR.
In Ostberlin gründet sich die Oppostionsgruppe "Demokratischer Aufbruch" (DA).
06. Okt. Bei seinem Besuch in der DDR anläßlich der 40-Jahr-Feier fordert der sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow die DDR-Führung indirekt zu Reformen auf.
09. Okt. Erstmals duldet die DDR-Regierung eine Demonstration von 50000 bis 70000 Teilnehmern in Leipzig. Die Menschen fordern eine demokratische Erneuerung. Der Ruf "Wir sind das Volk - keine Gewalt" und ein vom dem Kapellmeister des Gewandhausorchesters, Kurt Masur, und drei Sekretären der SED-Bezirksleitung unterzeichneter Aufruf, der über Rundfunk übertragen wird, verhindern einen blutigen Zusammenstoß mit Sicherheitskräften.
16. Okt. Bei der bislang größten Demonstration seti dem Aufstand vom 17. Juni 1953 ziehen mehr als 120000 Menschen durch Leipzig.
18. Okt. DDR-Staats- und Parteichef Eirch Honecker wird durch Egon Krenz abgelöst.
21. Okt. Zehntausende demonstrieren in Ostberlin, Dresden, Plauen, Potsdam und Karl-Marx-Stadt.
24. Okt. Die Volkskammer der DDR wählt SED-Generalsekretär Egon Krenz zum Vorsitzenden des Staatsrats und zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates.
Das SED-Politbüro empfiehlt dem DDR-Ministerrat, künftig alle Bürger frei in den Westen und nach West-Berlin reisen zu lassen.
27. Okt. Der DDR-Staatsrat verkündet eine weitgehende Amnestie für Flüchtlinge und inhaftierte Teilnehmer nichtgenehmigter Demonstrationen.
02. Nov. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen, Otto Schily, tritt aus seiner Partei aus und wird später Mitglied der SPD.
Prominente DDR-Politiker wie Harry Tisch, Margot Honecker, Gerald Götting und Heinrich Homann treten zurück.
04. Nov. In Ostberlin demonstrieren über 500000 Menschen für demokratische Reformen und gegen das Machtmonopol der SED.
07. Nov. Ministerpräsident Willi Stoph und die gesamte DDR-Regierung treten zurück.
08. Nov. Das ZK der SED wählt ein neues verkleinertes Politbüro.
09. Nov. Die DDR-Führung gibt die Öffnung der Grenzen zur Bundesrepublik und zu Westberlin bekannt. Visa zur ständigen Ausreise sollen unverzüglich ausgestellt werden. Privatreisen ins Ausland können ohne besondere Voraussetzungen beantragt werden. Daraufhin drängen noch am selben Abend Tausende von Ostberlinern nach Westberlin.
Bundeskanzler Kohl trifft zu einem Besuch in Polen ein. Im Vorfeld war es zu heftigen Auseinandersetzungen wegen der Festlegung der endgültigen polnischen Westgrenze gekommen.
10. Nov. Aufgrund der Öffnung der Grenzen besuchen Millionen von DDR-Bürgern die grenznahen bundesdeutschen Städte und Westberlin. Riesige Freudenszenen spielen sich ab. Bundeskanzler Kohl unterbricht seinen Polenbesuch, um am Abend vor dem Schönenberger Rathaus in Westberlin auf einer Kundgebung zu sprechen. Weitere Redner sind Außenminister Genscher, der Regierende Bürgermeister von Berlin, Momper, und der SPD-Ehrenvorsitzende Brandt. Dieser prägt den Satz:"Jetzt wächst zusammen, was zusammegehört."
17. Nov. Hans Modrow (seit dem 13.11. neuer DDR-Ministerpräsident) plädiert in seiner Regierungserklärung für eine weitreichende Vertragsgemeinschaft der beiden deutschen Staaten und stellt sein neues Kabinett vor.
23. Nov. Der DDR-Ministerrat beschließt Zollkontrollen gegen den Ausverkauf der DDR durch Besucher aus anderen Ländern.
28. Nov. Bundeskanzler Helmut Kohl legt ein "10-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas" vor, das letztendlich zur Wiedervereinigung führen soll. Nach anfänglicher Zustimmung rücken FDP und SPD von dem Plan ab, weil weder die Allierten vorab unterrichtet wurden noch die polnische Westgrenze zugesichert sei.
29. Nov. SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender Egon Krenz sowie DDR-Ministerpräsident Hans Modrow schließen sich einem Aufruf "Für unser Land - zur Bewahrung der Eigenstänsigkeit der DDR" an.
30. Nov. Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, wird in Bad Homburg von einem Kommando der RAF durch einen Bombenanschlag ermordet. Sein Fahrer überlebt schwer verletzt.
03. Dez. DDR-Politbüro und Zentralkomitee mit Egon Krenz an der Spitze treten zurück.
Erich Honecker und andere führende Parteimitglieder werden aus der Partei ausgeschlossen.
05. Dez. DDR-Ministerpräsident Hans Modrow hebt den Mindestumtausch und die Visumpflicht für Bundesbürger zum 01.01.1990 auf.
Der stellvertretende DDR-Generalbundesanwalt Harri Harrland teilt mit, daß ehemalge SED-Politbüromitglieder - darunter auch Honecker -, bei denen die strafrechtliche Verfolgung erst noch beginnt, in der Waldsiedlung Wandlitz unter Hausarrest gestellt worden sind.
07. Dez. Erstmals treffen sich in Ostberlin die fünf ehemlaigen Blockparteien und sieben Oppositionsgruppen am Runden Tisch. Sie beschließen, das Amt für "Nationale Sicherheit" aufzulösen und schlagen den 06. Mai 1990 als Termin für die ersten freien Wahlen vor.
08. Dez. 09. Dezember: Auf dem vorgezogenen Parteitag der SED in Ostberlin wird der Rechtsanwalt Gregor Gysi neuer Parteivorsitzender.
11. Dez. Erstmals wird bei den mittlerweile traditionellen Montagsdemonstrationen in der DDR der Ruf nach Wiederveinigung deutlicher.
15. Dez. 16. Dezember: Sonderparteitag der Ost-CDU: Rechtsanwalt Lothar de Maizière wird am 16.12. zum Vorsitzenden gewählt.
16. Dez. 17. Dezember: Auf dem fortgesetzten Sonderparteitag gibt sich die SED den neuen Namen SED-PDS (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus).
22. Dez. Das Brandenburger Tor wird geöffnet, allerdings nut für Fußgänger.
24. Dez. Erstmals können Bundesbürger und Westberliner ohne Visum und Zwangsumtausch in die DDR reisen.
31. Dez. Hunderttausende von Berlinern aus beiden Teilen der Stadt feiern Silvester am Brandenburger Tor.
Die Arbeitslosenquote in der Bundesrepublik betrug im Jahresdurchschnitt 7,9%.
Quelle: "Deutschland seit 1945" Wolfgang Benz, dtv 1999
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